:gelesen: Jostein Gaardner: 2084 – Noras Welt

Gaardner ist sicher einigen von Euch ein Begriff. Sein “Sophies Welt” ist ein moderner Klassiker der Jugendliteratur (und auch für Erwachsene sehr empfehlenswert).
Auf zwei längeren Zugfahrten (Deutschland ist groß) habe ich mir neulich Noras Welt (erschienen 2013 bei Hanser) vorgenommen.

:Inhalt:

Die Handlung setzt kurz vor Noras 16. Geburtstag ein. Sie träumt immer wieder, dass sie ihre eigene Urenkelin Nova ist, die im Jahr 2084 ziemlich sauer/ wütend/ enttäuscht  ist, wie unsere Generation mit dem Planeten umgegangen ist. In diesen Träumen werden die (möglichen) Folgen des globalen Klimawandels aufgezeigt. So sieht sie sich z.B. gerne alte Tierfilme an, verfolgt über eine spezielle App das Aussterben verschiedenster Arten live und begegnet Klimaflüchtlingen, welche auf Dromedaren aus dem Nahen Osten nach Norwegen reiten. Eines Tages trifft sie, als Nova, sich selbst als Urgroßmutter und diese beschließt die Welt zu retten.

Im Hier und Jetzt haben Noras Träume ihr einen Besuch beim Psychiater beschert, welcher ihr bescheinigt gesund zu sein und ihr gleich seine private Telefonnummer gibt…
Zusammen mit Ihrem Freund Jonas beschließt sie die Welt zu retten und einen Umweltschutzgruppe zu gründen. Zum Unglück für uns Leser ist Nora für die Materialsammlung und den Aufbau eines Archivs zuständig. Alle paar Seiten liest sie einen bestimmten Artikel – ob aus gesammelten Zeitungen oder auf ihrem neuen Smartphone – und belehrt uns – mehr als sie informiert – was wir alles falsch machen.
Am Ende haben die beiden dann natürlich DIE Idee wie alles besser werden wird.

 

:Fazit:

Noras Welt ist sprachlich viel mehr Kinderbuch als die anderen Bücher die ich bisher von Gaardner gelesen habe (Spohies Welt und Vita Breves), dabei aber Stellenweise so sprunghaft, dass es für ungeübte Leser schwer werden könnte der Handlung (wenn sie nicht gerade von ein paar Seiten Hintergrundinformation unterbrochen wird) zu folgen.

Die Personen haben kaum Tiefe und sind meiner Meinung nach sehr einseitig, ja sogar unnatürlich beschrieben. Besonders Jonas und Nora: er ist 17, sie (fast 16) und wenn sie sich alleine in der Berghütte ihrer Eltern treffen haben sie nichts anderes zu tun als die Welt zu retten? Keine Küsse, kein vorsichtiges Abtasten?

Ich gehe davon aus, dass Gaardner 1984 kennt und versucht durch die 84 eine Verbindung zwischen den beiden Bedrohungen Diktatur (Überwachung, Gedankenkontrolle usw.) und Klimawandel zu bilden. Leider hat dieses Buch aber nichts von der Tiefe und Weitsicht, welche den Großen Bruder Orwells so beeindruckend machten.

Was bleibt ist ein interessanter Denkanstoß:
Was würden unsere Urenkel von unserem Leben halten?

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