Sprachkritik I

In dieser kleinen Serie möchte ich mich dem Verfall der deutschen Sprache im Allgemeinen und der Mundart im Speziellen widmen. Dieses Mal:

Der Anglo-Wahn

Liest man den Klappentext des “Lustigen Taschenbuchs” Nr. 406, so verspricht dieses “spannende Storys”. Man stuzt, man denkt nach und kommt schließlich zu dem Ergebnis, das “Storys” falsch aussieht. Benutzt man daraufhin ein einschlägiges Englischwörterbuch, so kommt man zu dem Ergebnis, dass die korrekte Schreibweise wohl “Stories” gewesen wäre. So haben wir das auch irgendwann einmal in der Schule gelernt.

Warum benutzen die Autoren nicht das schöne deutsche Wort “Geschichten”? Und wenn sie schon einen Anglizismus verwenden, warum benutzen sie ihn nicht korrekt? Der Begriff “Story” ist in meinem Sprachgebrauch (und dem meines Umfelds) negativ besetzt. Ich verbinde damit den reißerischen Aufmacher einer Tageszeitung oder den abwertenden Satz “Jetzt erzähl doch keine Stories” als Ausdruck der Ungläubigkeit bei offensichtlicher Lüge oder Übertreibung. Mit dem Wort “Geschichte” verbinde ich eher Literatur oder die Erzählung von Freunden. Trotzdem könnte man auf dem  Klappentext  durchaus auch von “Lustigen Geschichten” sprechen und jeder würde verstehen was gemeint ist. Leider wirkt der Text dann sehr schnell etwas altbacken und genau hier liegt das Problem.

Es scheint so, als ob das Deutsche zunehmend einen tantigen Beigeschmack hat und das Englische zu der modern-fortschrittlichen Sprache avanciert. Im national-stolzen Frankreich gibt es ein Institut, das nur damit beschäftigt ist neue französische Wörter für Anglizismen zu erfinden. Ganz so krass muss man es nicht unbedingt angehen und dass der Schuss nach hinten losgehen kann sieht man an dem wunderbaren Wort “Klapprechner”. Wenn etwas als “Laptop” oder “Netbook” erfunden wurde, kann man es auch so nennen. Schließlich übersetzen die anglophonen Länder auch nicht Wörter wie “Blitzkrieg” oder “Kindergarten”.

Aber uns allen würde ein bisschen mehr Achtung gegenüber der deutschen Sprache gut tun. Was für ausufernde Ausmaße der Anglo-Wahn mittlerweile angenommen hat, sieht man am besten in der Wirtschaft. Der traditionelle  Vertriebsleiter wird zum “Head of Sales Departement” und das Personalressort zu “Human Ressources”. Womit ich eher Rohstoffbörsen und dreckverschmierte Minenarbeiter verbinde als den Personalchef. Und obwohl die Tippse Müller plötzlich “Specialist of Office Management” heißt, wird sie sie dem englischen Geschäftspartner ihres Chefs trotzdem am Telefon antworten: “A moment plies, ai konnekt. sänk ju.”. Man freut sich tierisch, weil der eigene kleine, langweilige Beruf plötzlich super spannend und wichtig klingt (schließlich ist man ja jetzt ein “Manager”), solange bis man feststellt, dass man deshalb trotzdem keinen Cent mehr verdient.

Absurd wird es in den Bereichen, in denen man versucht, scheinbar unattraktive Berufe aufzuwerten. Die Putzfrau wird zur “Raumpflegerin” oder noch besser zur “Fachkraft für Raumpflege” und der gute alte Hausmeister wird zum “Facility Manager”. Versuche, sich einen Facility Manager im grauen Kittelschurz vorzustellen, scheitern. Und obwohl er jetzt so einen gewichtigen Namen hat, kann sich der “Facility Manager” mit den “Residents” seiner “Unit” trotzdem nur auf breitem Münchnerisch verständigen. Die würden es auch gar nicht anders wollen.

Man könnte den Kindern in allen Schulen eine fundierte Ausbildung in beiden Sprachen ermöglichen, so dass sie später eine ordentlich formulierte Email an den Chef schreiben können und gleichzeitig dem englischen Arbeitskollegen die aktuelle Änderung im Steuerrecht erklären können. Stattdessen lässt man beides verwässern. Mit dem Ergebnis, dass viele Mitbürger schon heute beides nicht mehr richtig können. Nicht mehr lange und die ersten Gymnasien bieten “Deutsch als Fremdsprache” auch für Muttersprachler an…

 

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