:gelesen: Gerd Theißen: Der Schatten des Galiläers

“Jesus und seine Zeit in erzählender Form” verrät der Untertitel dieses Buches. Und so geht es tatsächlich mehr um die Zeit in der Jesus lebte, als um diesen selbst.
Der aus einer wohlhabenden Familie stammende jüdische Olivenhändler Andreas wird bei einer Demonstration gefangen genommen und verpflichtet sich um sich und seine Familie zu schützen für die Römer – quasi als Agent – Informationen über neue religiöse Bewegungen in Palästina zu sammeln. Dabei sieht er sich ständig im Zwiespalt, welche Infos er weiter geben kann, ohne sein eigenes Volk zu sehr zu gefährden und welche er weitergeben muss, damit den Römern nicht auffällt, dass er ihnen etwas verschweigt. Jesus selbst trifft er nicht, aber aus Erzählungen rekonstruiert er sein Leben und seine Lehre.

Nett, aber auch nicht die Neuerfindung des Rades, sind die fiktiven Briefe, die Theißen nach jedem Kapitel an einen Herrn Kratzinger “schreibt”, der dem Buchprojekt zweifelnd gegenüber steht. Durch die Briefe erklärt er sich selbst, warum er die Geschichte so aufbaut und warum Jesus immer noch kein Teil der Handlung ist. Den Wissenschaftler findet man auch am unteren Teil der Seiten; in Fußnoten wird darauf hingewiesen, wenn aus der Bibel abgeschrieben wurde oder Zeitliches leicht verrückt wurde, um die Handlung voran zu treiben.

Fazit:
ganz nett und schnell gelesen, mehr aber auch nicht. Die Idee von Gerd Theißen ist aber eigentlich nicht schlecht; wissenschaftliches aus dem Fachbuchbereich in Romane zupacken, so zu entstauben und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

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